Der moderne Sisyphos: Die Strafe der Daten- und Informationsflut

Januar 20, 2009

Von Michael Noack und Felix Reibestein

Durch die Entwicklung neuer Technologien in den letzten Jahren ist es erheblich einfacher geworden, an Informationen zu gelangen. Vor allem das Internet erleichtert die Kommunikation und den Informationsaustausch um ein Vielfaches. Leider nimmt dadurch auch die Datenmenge im Web zu, die Qualität dagegen ab. Immer häufiger haben Mitarbeiter von Unternehmen mit diesem Problem zu kämpfen. Hier stellt sich für Unternehmer und Manager die Frage: Was für Auswirkungen hat die „Datenflut“ auf das Personal?

Bewältigung endloser Daten und Kommunikation durch den mobilen Mitarbeiter

Es sollte erörtert werden, inwieweit heute ein Problem aufgrund der allgemeinen globalen Datenzunahme vorhanden ist. Auch wenn es beispielsweise durch die Erfindung des  Internets erheblich leichter geworden ist, an Informationen zu gelangen, so ist dies allein noch keine Ursache für die Datenüberflutung. Eine Berkeley-Studie aus dem Jahr 2002 hat ergeben, dass sich die Datenmenge im selbigen Jahr auf fast 18 Exabyte belief. Zum Verständnis: Dies entspricht einer Menge von etwa 1,75 Millionen digitalisierten Kongressbibliotheken. Davon entfallen 98% auf Telefonate. Weltweit gibt es zudem circa eine Milliarde E-Mail-Nutzer, die am Tag etwa 171 Milliarden Mails verschicken, von denen 71% Spam-Mails sind. Somit ist nicht verwunderlich, dass die Effizienz von Mitarbeitern leidet, wenn sie „nutzlose“ E-Mails bearbeiten oder löschen müssen.

Durch die zunehmende Datenmenge, Übertragungsgeschwindigkeit und Kommunikation steigt die zu bewältigende Daten- und Informationsflut durch die Mitarbeiter in Firmen und Projekten. Informationen müssen nicht nur in größerer Menge, sondern auch in einer kürzeren Zeit verarbeitet werden. Für die gedankliche Auseinandersetzung mit den Daten bleibt nur wenig Zeit. Weisen zusätzlich noch Quantität und Qualität der Daten eine große Disparität auf, gerät man schnell in die sogenannte Kommunikationsfalle: Je mehr Informationen es gibt, desto mehr Zeit benötigt man zur Überprüfung der Relevanz und Nützlichkeit. Als Folge kann der mobile Mensch an dem sogenannten Sisyphos-Syndrom leiden – einem Krankheitsbild, das aufgrund von Überlastung und geringer Erholung wegen der zu bewältigenden Informationsmenge entsteht.

Unternehmen sollten sich daher umfassend mit neuen Medien und einem geeigneten Wissensmanagement auseinandersetzen, um einerseits die damit  verbundenen Möglichkeiten auszuschöpfen und andererseits die Nachteile der Daten- und Informationsflut zu begrenzen. Es ist ratsam die Mitarbeiter bei der ergebnisorientieren Integration der Medien in den Alltagsprozess zu unterstützen um Schwierigkeiten im Umgang mit der Verarbeitung und Einschätzung der Daten vermeiden zu können.

Die Nutzung von IT-Systemen bringt Unternehmen Vorteile

Die Datenflut ist aber nur ein Teilaspekt der IT-Nutzung von Unternehmen. Das Frauenhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation ist im Rahmen einer Studie im Jahr 2005 zu dem Ergebnis gekommen, dass die Informationstechnologie die Arbeitswelt leistungsfähiger macht. Beispielsweise werden Abläufe einfacher und schneller, so dass Kosten und auch Zeit eingespart werden können. Trotzdem gibt es auch Risiken wie einen möglichen Totalausfall des Systems oder Sicherheitslücken.

Medienkompetenz – die Befreiung des Mitarbeiters von der Sisyphosarbeit

Die Vermittlung von Medienkompetenz durch die Unternehmen führt zu weniger gestressten und überlasteten Mitarbeitern. Dadurch geht keine wertvolle Arbeitszeit verloren und Aufgaben können zeitgerechter und zielführender bearbeitet werde.

Fazit – Sisyphosarbeit muss nicht sein

Zum Schluss kann festgehalten werden, dass es hauptsächlich das Wachstum der Datenmenge sein könnte, weswegen die Leistungsfähigkeit einiger Mitarbeiter beeinträchtigt wird. Bei der richtigen Anwendung kann IT den Unternehmen jedoch von großem Nutzen sein, weil sich durch Zeiteinsparung oder Flexibilitätszunahme eine enorme Produktivitätssteigerung erreichen lässt. Grundsätzlich sollten Unternehmen ihr Personal nicht mit der Bewältigung der endlosen Daten- und Kommunikationsflut alleine lassen, wenn sie nicht möchten, dass sie medial zerstreute und erschöpfte Mitarbeiter haben. Statt immer mehr Geschäftigkeit sollte eine produktive Dynamik das Ziel sein. Daher ist an dieser Stelle abschließend das Zitat von Alfred Herrhausen angebracht: „Die meiste Zeit geht dadurch verloren, dass wir keine Zeit mehr haben, zu Ende zu denken.“

Literatur

Gneiting, S. (2008): Anschluss nur unter einer Nummer, ProFirma, Juni 2008, S. 52-56.

Meckel, M. (2008): Wann wird aus viel Information zu viel Information?, FAZ, 21. Mai 2008, Nr. 117, S. B8.

Meckel, M. (2001): Das Internet. Medienevolution oder Medienrevolution, Communicatio Socialis 2/2001, S. 145-155.

Meckel, M. (2003): Globalisierung und Kommunikation, In: Kleiner, M. S. und Hermann Strasser (Hrsg.): Globalisierungswelten. Kultur und Gesellschaft in einer entfesselten Welt, Köln 2003, S. 124-146.

Meckel, M. (1999): Vom Wissen zum Meta-Wissen. Informatisierung und Orientierung (in) der modernen Gesellschaft, Medienjournal 3/1999, S. 30-41.

 

 

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